Veranstaltungen 2017


–  2017 –

Fr. 10. November 2017, 19.45 Uhr
Asien trifft auf Europa
Laia Genç / Hein Tint
Piano / Hsaing Waing (Burmesischer Trommelkreis)

Das Pat Waing, der burmesische gestimmte Trommelkreis, trifft mit dem virtuosen Spieler Hein Tint auf die deutsch-türkische Pianistin Laia Genc, die sich ihrerseits als Grenzgängerin an der Schnittstelle von Jazz und kontemporärer Musik mit ihren Projekten einen Namen gemacht hat. Laia Genç reiste auf Einladung des Goethe-Institutes seit 2014 bisher drei Mal nach Myanmar, um dort vor Ort mit ausgesuchten Musikern Projekte zu erarbeiten. Sowohl Hein Tint, als auch Laia Genc komponieren für das Duo und lassen ihre kulturellen Hintergründe in die gemeinsame Arbeit einfließen. Die Musik belebt Welten zwischen traditioneller burmesischer Musik, Jazz, freier Improvisation, song-artigen Strukturen und komplexen Rhythmen auf der Suche nach einem gemeinsamen Klang.

Hein Tint ist ein bedeutender Virtuose der burmesischen Hsaing-Waing Tradition.
Das Instrument Hein Tints, das Pat Waing, ist ein reichhaltig verzierter Trommelkreis aus 21gestimmten Handtrommeln und bildet das Hauptinstrument des Hsaing Waing-Ensembles, das bei Festveranstaltungen, Geisteranbetungsritualen und im traditionellen Puppentheater Verwendung findet. Die Musik besteht aus lebendigen und plötzlichen Wechseln von Tempi, Rhythmen und Melodien in diatonischer Stimmung, die sich auf die verschiedenen Instrumentalisten mit Handtrommeln, Gongs und der traditionellen Oboe Hne verteilen. Das Pat Waing ist dabei das Hauptinstrument des Ensembles, mit dem Anfang und Ende eines Stückes und die Tempo-Wechsel angezeigt werden. Die Verzierungen der Hsaing Waing Instrumente zeigten den sozialen Status/den künstlerischen Rang der Ensembles an: die Gruppen mit den edelsten Verzierungen spielten demnach für die Könige und Minister.

Hein Tint gehört zur ersten Generation burmesischer Musiker, die nach der Öffnung des Landes nach jahrzehntelanger Abschottung international wahrgenommen werden und selbst reisen können. Der burmesische Tempelmusiker gehört der buddhistischen Bevölkerungsmehrheit der Bamar an, die ca. 70% des Vielvölkerstaates stellen. Während der Zeit der Abschottung Myanmars durch die Militärregierung wurden westliche Musiken unterbunden und die traditionelle Musik der birmesischen Bevölkerungsmehrheit, die sich über Jahrhunderte aus chinesischen und thailändischen und später indischen Einflüssen entwickelt hatte, als nationale Musikkultur gefördert. Gleichzeitig mit der politischen Öffnung Myanmars begann die kulturelle Öffnung des Landes von Außen – mit Unterstützung des Goethe Institutes und des Landes NRW entwickelte der Musiker und Kurator Tim Isfort ab 2010 eine Reihe von Kooperationen von Musikern aus NRW mit Konzerten und Workshops in Myanmar und in Deutschland unter dem Titel „Myanmar meets Europe“ mit einem ersten Höhepunkt auf dem Moers Festival 2012.

Ein gängiges Narrativ im interkulturellen Austausch lautet, Sprache und Politik trenne, Kultur und insbesondere Musik jedoch verbänden. Die Herausforderung in der Zusammenarbeit zwischen den europäischen und den burmesischen MusikerInnen sind dabei nicht nur sprachliche Übersetzungsprobleme. Die JazzmusikerInnen machten die verwirrende Erfahrung, dass sie die Töne, Melodien und auch Teile der Rhythmen identifizieren konnten, sich deren Zusammenspiel aber trotzdem ihrem Verständnis entzog, weil die musikalischen Formen und das Zusammenwirken der einzelnen Instrumente im traditionellen Hsaing Waing Ensemble fundamental anders organisiert sind, als in der von harmonisch-melodischer Entwicklungen und konstanten Rhythmen geprägten westlichen Musik.

Tiefer als die Unterschiede auf der Ebene musikalischen Materials reichen aber die Differenzen kulturell geprägter Kommunikation, die sich im scheinbar Selbstverständlichen verbergen: was passiert in der Kommunikation zwischen europäischen JazzmusikerInnen, deren Musik assoziiert wird mit individueller Freiheit und ritualisiertem Regelbruch und den buddhistischen Burmesen, deren Kultur eine Haltung bescheidenen Erduldens vorschreibt? Welcher gemeinsame Grund kann hier gefunden werden und wie? Welche Bedeutung haben die Musik und musikalischen Spielhaltungen der MusikerInnen in ihren Kontexten? Können die Bedeutungen und Spielhaltungen in neue Räume und Kontexte übertragen werden, werden sie dabei geschwächt oder gehen gar ganz verloren – oder entsteht ein dritter Raum, in dem wirklich Neues entsteht, in dem beide sich wiederfinden? 

19.45 Uhr Einführung in die Musik Myanmars: Prof. Dr. Ilse Storb
20.00 Uhr Konzertbeginn

Abendkasse: 8,00 € / 5,00 € (ermäßigt)

 

Fr. 8. September 2017, 19.45 Uhr

Concert-Workshop mit Nii Annan + Alex Bapulah Odametey

Nii Annan Odametey wurde in Accra (Ghana) als Sohn einer für ihre guten Musiker und Tänzer bekannten Familie geboren. Außer den traditionellen Rhythmen und Tänzen seiner Region, mit denen er seit seiner Kindheit vertraut ist, erlernte Nii Annan am „Art Centre of Ghana“ weitere Trommel- und Tanzrhythmen aus ganz Westafrika. Mit den Perkussionsgruppen wie „No Fears“ oder „Ogidigidi“ tourte er mehrfach durch Europa und Westafrika. Zusammen mit seinem Bruder Aja Addy spielte er mit „Aja Addy & Tsuiana“, wobei sein starker künstlerischer Ausdruck als Trommler und Tänzer besondere Beachtung fand. In den letzten Jahren begeisterte Nii Annan als Solo-Trommler der Gruppe „Adesa“ das Publikum in Deutschland. Als Gast von „R. L. Madison“, einer Duisburger Jazzformation, finden seine Improvisationen großen Anklang. Im Jahr 1992 gründete Nii Annan das Ensemble BOBA. Durch eine aufregende Mischung aus traditionellen Melodien und Highlife- Elementen bringt die Gruppe immer wieder Körper und Herzen der Zuschauer in Schwung – zum Tanzen.

Solo-Konzerte
Die Solo-Konzerte bieten 100% Nii Annan – Highlights der Trommelkunst und faszinierende Erlebnisse der Sinne. In seinen Shows entführt Nii Annan das Publikum in eine besondere Welt der Rhythmen. Die Trommel als eines der ältesten Instrumente der Menschheit zeigt hier einen Facettenreichtum der afrikanischen Musik. Das breit gefächerte Repertoire der Rhythmen Afrikas präsentiert er spielerisch und brillant auf diversen Percussions-instrumenten wie: Oblenten, Djemben, Atompani, Blecketes, Gomes,Talking-drums, Kidi, und Kang-Kang.

Trommelworkshops
Nii Annan Odametey ist nicht nur ein exzellenter Solo-Drummer, sondern auch ein außergewöhnlicher Trommel-Lehrer, der nicht nur traditionelle Pattern lehrt, sondern besonderen Wert darauf legt, dass seine Schüler ihren eigenen Stil finden und ausbauen.

Schon als Jugendlicher begann Nii Annan sich auch als Lehrer für Tanz und Trommeln einen Namen zu machen. Seine europäischen Schüler schätzen neben seinem lockeren, einfühlsamen Unterrichtstil und der intensiven Technikarbeit vor allem die Erfahrung, sich von afrikanischer Lebensfreude anstecken zu lassen. Nii Annan Odametey unterrichtet seit einigen Jahren regelmäßig in Deutschland feste Kurse, ist ein Gastdozent an den Volkshochschulen Duisburg, Emden, Norden und Wilhelmshaven. Er unterrichtet auch im Tanzhaus NRW in Düsseldorf. Des weiteren lehrt er tanz- und trommelinteressierte Schüler in Workshops innerhalb Europas und natürlich seiner Heimat Afrika.

Die Trommel als Spiegelbild unserer Seele kennen zu lernen, Barrieren in uns selber abzubauen und sich von der Lebensfreude einer der ältesten Kulturen der Welt inspirieren zu lassen, werden die Schwerpunkte des Workshops sein.

19.45 Uhr Einführung in die afrikanische Musik: Prof. Dr. Ilse Storb
20.00 Uhr Konzertbeginn

Abendkasse: 8,00 € / 5,00 € (ermäßigt)

Fr. 9. Juni 2017, 19.45 Uhr

Der „Trümmerpianist“ Aeham Ahmad von Damaskus

Musikalische Begegnung zwischen
Orient und Okzident.

Aeham Ahmad – geboren im Jahr 1988 in Damaskus – gehört der palästinensischen Minderheit in Syrien an und lebte mit seiner Familie bis 2015 im Flüchtlingscamp Jarmuk, wohin bereits sein Großvater 1948 aus Palästina floh. Sein musikalisches Talent wurde früh gefördert, ab dem fünften Lebensjahr erlernte er das Klavierspielen durch seinen Vater, um mit 23 Jahren ein Musikstudium in Damaskus und Homs zu absolvieren. Durch einen Granatensplitter in seiner rechten Hand bleibt ihm eine Karriere als klassischer Konzertpianist wahrscheinlich verwehrt.

Der Pianist spielte unter Lebensgefahr mit seinem Klavier auf einem Rollwagen in den Straßen Jarmuks, um durch das gemeinsame Musizieren den Menschen in seiner Heimat ein wenig Hoffnung und Freude zu schenken. Im Frühjahr 2015 verbrannten die Islamisten aufgrund des dort verhängten Musikverbotes vor seinen Augen sein Instrument.

Seit seiner Ankunft in Deutschland gab Aeham Ahmad unzählige Konzerte in verschiedenen deutschen Städten wie Berlin, Bonn, München, Leipzig, Köln, Essen und Stuttgart und begeisterte mit der Intensität und Virtuosität seiner Auftritte, bei denen er neben Beethoven und Mozart vor allem Eigenkompositionen und traditionelle Lieder spielte. In München trat er zusammen mit den Sportfreunden Stiller, Judith Holofernes und Herbert Grönemeyer beim „Stars-sagen-Danke-Konzert“ für Flüchtlingshelfer auf, in Köln bei einer Demonstration gegen sexuelle Gewalt. In naher Zukunft folgen zahlreiche weitere Auftritte. Im Dezember 2015 wurde ihm der erste Internationale Beethovenpreis für Menschenrechte in Anwesenheit der Pianistin Martha Argerich in der Bundeskunsthalle Bonn verliehen.

Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr, ab 19.45 Uhr Einführung in die arabische Musik durch Prof. Dr. Ilse Storb

 

Fr. 17. März 2017, 19:30 Uhr

A Tribute To The Great Dave Brubeck
Prof. Dr. Ilse Storb (Moderation, Klavier, Gesang)
Sabine Kühlich (Gesang, Altsaxophon)
Laia Genc (Klavier)
Drei Frauenbiographien, die drei Dinge vereinen: den Glauben an das Gute im Menschen, die Liebe zur Musik und mit Kommunikation Frieden in die Welt zu tragen und die absolute Obsession für Swing & Jazz. llse Storb, Europas einzige Professorin für Jazzforschung, begibt sich zusammen mit der gefeierten Sängerin und Saxophonistin Sabine Kühlich und der international versierten Pianistin Laia Genc auf die Spuren der Jazzgeschichte.Ilse Storb verfasste ihre Habilitationsschrift über Dave Brubeck und schrieb eine Monographie über Louis Armstrong. Mit ihren ehemaligen Studenten präsentiert sie Louis-Armstrong-Shows. Im Duo mit dem Baritonsaxophonisten Jürgen Koch spielt sie Klassik, Jazz und Weltmusik. Für die interkulturelle Vermittlung, ihren Einsatz für Weltmusik und ihre weltweite Friedensarbeit erhielt Prof. Storb 1998 das Bundesverdienstkreuz am Bande.Dave Brubeck und Louis Armstrong sind beispielhafte Jazzbotschafter im interkulturellen Austausch zu Zeiten des kalten Krieges und gegen Rassismus. Im April 2016 erschien das Duo Album „In Your Own Sweet Way – A Tribute to the Great Dave Brubeck“. Mit diesem Tribut wandeln Laia Genc und Sabine Kühlich auf prominenten Pfaden – in neuen Interpretationen und mit eigenen Kompositionen.Drei Frauen begegnen sich zwischen persönlichen Jazzgeschichten in ihren musikalischen Welten nach dem Motto: Swingingly yours, LOVE AND PEACE

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